IDENTITÄT IN AUSWEIS UND URKUNDE

1.1

Bereits in der antiken Philosophie ist die Identität von Dingen und Personen ein wichtiges Thema. Identität beruht auf Unterscheidung. Menschen entwickeln ihre Identität in einem Wechselspiel von „Dazugehören“ und „Abgrenzen“. Ein Mensch kann auch dann seine Identität verlieren, wenn wesentliche Instanzen entfallen, die ihm Identität verleihen.
Als psychologisches Konzept geht Identität davon aus, dass sich eine Person mit etwas identifiziert. Ein ungewollter Identitätsverlust ist psychisch ein großes Problem, da wichtige Gruppenzugehörigkeiten (z. B. Nation, Religion) verloren gehen. Wer sich nicht mit einer Gruppe identi ziert bzw. identi zieren kann, wird physisch und psychisch isoliert.
Aus rechtlicher Sicht kann eine natürliche Person durch Zuordnung zu einem oder mehreren Elementen ihrer physischen, physiologischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität identi ziert werden. Identität wird formal durch eine rechtsverbindliche Identitäts­ feststellung bestimmt.

IDENTITÄT IN AUSWEIS UND URKUNDE

1.2

Kulturelle Identität wird immer bedeutsamer. Der Prozess der Globalisierung und das Internet fördern einerseits die Verbreitung des westlichen Lebensstils in der ganzen Welt („McWorld“). Andererseits wächst die Nachfrage nach regi­onaler Identität und Kultur. Kulturelle Identität ist zum Balanceakt geworden.
Manche Autoren prognostizieren deshalb neue Konfliktlinien in der Welt: Statt harmonischem Zusammenwachsens in einer zunehmend vernetzten Welt sieht Samuel P. Huntington („Clash of Civilizations“) kulturelle Konflikte globalen Ausmaßes entstehen. Er unterscheidet zwischen chinesischer, japanischer, hinduistischer, islamischer, westlicher, lateinamerikanischer, afrikanischer und christlich­östlicher Zivilisation. Die Weltpolitik des 21. Jahr­ hunderts wird demzufolge nicht von Auseinandersetzungen ideologischer oder wirtschaftlicher Natur bestimmt sein, sondern vom Konflikt zwischen Völkern und Volksgruppen unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit.
Aus rechtlicher Sicht kann eine natürliche Person durch Zuordnung zu einem oder mehreren Elementen ihrer physischen, physiologischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität identi ziert werden. Identität wird formal durch eine rechtsverbindliche Identitäts­ feststellung bestimmt.

IDENTITÄT IN AUSWEIS UND URKUNDE

1.3

Die Identität von Menschen lässt sich mit einem entsprechenden Ausweis feststellen. So bezeichnet man eine Urkunde, welche die Identität seiner In­ haberin bzw. seines Inhabers schriftlich und verbindlich darstellt.
Ein Ausweis enthält meist persönliche Daten wie Familienname, Vorname, Geburtsdatum und Anschrift. Je nach Verwendungszweck umfasst der Ausweis ein Lichtbild oder andere biometrische Merkmale wie die Unterschrift des Inhabers. Man unterscheidet zwischen amtlichen Lichtbildausweisen und sonstigen Ausweisen.
Nicht jeder Ausweis hat die gleiche Qualität bei der Feststellung von Identität. So sind der Reisepass und der Personalausweis zur Identitätsfeststellung – etwa bei Grenzkontrollen – und zum Nachweis der Staatsangehörigkeit aner­ kannt. Mit einem Führerschein kann man hingegen nicht die Staatsangehörig­ keit und nur bedingt die Identität nachweisen.

IDENTITÄT IN AUSWEIS UND URKUNDE

1.4

Kriminelle versuchen immer wieder, Ausweise zu fälschen. Im Visier haben sie vor allem Reisepässe, Personalausweise und Führerscheine. Ob ein Ausweis gefälscht ist, erkennen Kontrolleure von Ausweisen (z. B. Polizei) an fehlenden Sicherheitsmerkmalen. Wie man diese Sicherheitsmerkmale erkennt, wird oft geheim gehalten, um Fälschern die Arbeit noch schwerer zu machen.
Falsche Identitäten werden auch im Internet benutzt. Immer öfter werden z. B. Bankkonto­ oder Kreditkartennummern gestohlen, um an das Geld anderer Menschen heranzukommen. Je mehr persönliche Daten Kriminelle unter ihre Kontrolle bringen (z. B. Geburtsdatum, Anschrift, Führerschein­ oder Sozialversicherungsnummer), desto besser können sie eine andere Identität vorspiegeln – und die gestohlenen Identitätsdaten missbräuchlich verwenden.